Das Pflegeheim Obertor

Seine ältesten Gebäude besitzen jahrhundertelange Tradition. Die Anlage lässt sich zurückverfolgen bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als das St. Klara-Kloster in der Obertorvorstadt erstmals 1304 in einer Urkunde genannt wurde.

Bild: Urkunde aus dem Jahr 1304Die frommen Frauen, die es damals bewohnten, gehörten zum Orden der Clarissen. Sie waren strengen Regeln unterworfen. So hatten sie die meiste Zeit des Tages Stillschweigen zu bewahren und durften Besuch nur im Beisein der Äbtissin empfangen – wobei sie durch einen Vorhang vom Besucher getrennt waren. 

Anno 1308 kaufte das Esslinger Sankt Clara – Kloster den angrenzenden großen Garten zum Preise von zehn Pfund Heller.

Die Clarissen, die zumeist aus Esslingen stammten, widmeten sich vor allem sozialen und karitativen Aufgaben und boten verwaisten Mädchen und Witwen als Rentenanstalt eine Bleibe, was den frommen Frauen der Stadt ein hohes Ansehen bescherte.

Dass die Clarissen gut gelitten waren, zeigt sich auch nach dem Brand, durch den das Kloster 1351 fast völlig zerstört worden war. Um den teuren Wiederaufbau zu finanzieren, wurde Geld gesammelt. Die Gaben flossen so üppig, dass das St. Klara-Kloster am Ende größer und schöner wieder aufgebaut werden konnte. 

Die Reformation brachte Esslingen eine Wende. 1531 wurden im Zuge der Reformation im Klara – Kloster die Heiligenbilder entfernt, die Messe abgeschafft und die Klostereinkünfte für die Versorgung der Schwestern beschlagnahmt. Im Jahr 1536 wurde das Klara – Kloster schließlich ganz aufgelöst. 

Das Klostergebäude nutzte man zunächst noch als Waisenheim und später als Krankenhaus. Da aber nichts zum Erhalt der Gemäuer getan wurde, verfielen sie zusehends.

Ende des 17. Jahrhunderts war der Verfall des einstigen Klosters bereits so weit fortgeschritten, dass das vorhandene Geld nur ausreichte, um kleinere Einheiten zu renovieren und als Lazarett zu nutzen. 

Im ehemaligen Clara- Kloster, das seit 1817 "Hospital" genannt wurde, widmete man sich seither der Versorgung und Pflege von Armen und Kranken. 

Im Jahre 1922 wurde der Altbau erneut umgebaut und bekam sein heutiges Gesicht. Seit dieser Zeit wurde das Klara-Spital städtisches Altersheim. 

Das gute Alte hat man im Pflegeheim Obertor bewahrt. Es gibt dem Haus seine unverwechselbare Note: die klösterliche Stille und Abgeschiedenheit der Gärten, Fachwerkgiebel und Dachreiter, die Klostermauer, die Straßenstaub und Verkehrslärm abhält.

Der heutige Neubau wurde in den Jahren 1967 angebaut, der in Puncto Bequemlichkeit Bewohnern und Mitarbeitern Angenehmes brachte: Aufzüge, Zentralheizung, zeitgemäße sanitäre Einrichtungen und nicht zuletzt einen neuen Trakt mit nahezu 100 Zimmern.   

Bild:Postkartenansicht des AHO um 1970


Dreißig Jahre später brachten umfangreiche Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1997 – 2001 für die Bewohner und Mitarbeiter viele Erleichterungen, Verschönerungen und eine zeitgemäße Gestaltung der Sanitärbereiche.

Bild: Luftaufnahme des AHO


Im Jahr 2007 wurde der Ostflügel des sog. Neubaus saniert, in 2011 die Sanierung des Nordflügels abgeschlossen. Die hellen, geräumigen Zimmer werden gerne nachgefragt. 

Bild:Der Neubau nach dem Umbau 2011

Insgesamt leben und wohnen im "Obertor" derzeit 152 pflegebedürftige Menschen in 5 Wohnbereichen, die sich auf die Gebäudeteile Altbau, Neubau und Erweiterungsbau erstrecken.    

Bildnachweis:
– Urkunde von 1307. Stadtarchiv Esslingen, Katharinenhospital, Urkunde 1133

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