Die Finanzierung der Altenpflege – eine Anmerkung zur Weiterentwicklung

Artikel aus dem Heimjournal Nr. 92 (Frühjahr 2013)

Am 22. September 2013 stehen die Neuwahlen zum Bundestag an, der Wahlkampf wirft bereits seine Schatten voraus. Durchaus erfreulich sind die Ankündigungen einiger Politiker, dass die Gehälter der Altenpfleger steigen müssen. „Schwere und verantwortungsvolle Arbeit muss gerecht entlohnt werden“, das kommt gut an und findet unsere Unterstützung. Um auch in Zukunft Menschen für  die Pflege zu gewinnen, muss der Beruf attraktiv sein. Dazu braucht es gute Rahmenbedingungen.

Die entscheidenden Stellschrauben sind die Verdienstmöglichkeiten und die Personalmenge. Denn gute Pflege braucht Zeit. Während die Anforderungen an die Pflege mit Einführung der Pflege-Expertenstandards, der Pflegeprozessplanung, der Pflegedokumentation, der Umsetzung von Demenzkonzepten, der Palliativversorgung und Angehörigenarbeit immer weiter angestiegen sind, wurde der sogenannte Personalschlüssel seit vielen Jahren nicht angepasst.

So treten mittlerweile viele Trägerverbände für eine Erhöhung der Personalschlüssel ein. Auch das findet unsere Unterstützung. Bessere Bezahlung und mehr Zeit für die persönliche Hinwendung zu unseren Heimbewohnern würde uns die Personalgewinnung mit Sicherheit erleichtern.

Allerdings sagt niemand, wie eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege finanziert werden soll. Die Preissteigerungen für Personal- und Sachkosten wurden seit Einführung der Pflegeversicherung fast ausschließlich von den Pflegebedürftigen selbst getragen. Der Finanzierungsanteil der Pflegeversicherung ist im stationären Bereich entweder gar nicht oder wie in der Pflegestufe 3 nur geringfügig angepasst worden.

Dies führt dazu, dass der Eigenanteil der Heimbewohner um fast 100 % angestiegen ist. Während der Eigenanteil an der Finanzierung der Heimkosten 1998  bei 972,- Euro lag und von einem Durchschnittsrentner noch geleistet werden konnte, liegt er heute bei fast 2.000,-  Euro. Immer mehr Heimbewohner bedürfen deshalb der ergänzenden Sozialhilfe. Dies zu verhindern, war ja die ursprüngliche Intention des Pflegeversicherungsgesetzes.

Das folgende Rechenbeispiel für einen Bewohner in der Pflegestufe 2 im Altenpflegeheim Obertor zeigt, dass eine Anhebung der Versicherungsleistung dringend geboten ist. Alleine von den pflegebedürftigen Menschen lassen sich Versprechungen nach höheren Gehältern und besseren Rahmenbedingungen in der Altenpflege nicht finanzieren:

 

Bild: Tabelle "Entwicklung des täglichen Heimentgeltes 1998-2013"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thilo Naujoks

Geschäftsführer der Städtischen Pflegeheime Esslingen am Neckar